Ausgangslage: Ein bewährtes Prüfverfahren mit blinden Flecken
Die Farbeindringprüfung ist in vielen sicherheitskritischen Branchen vorgeschrieben - und läuft doch bis heute weitgehend analog. Sie bindet erfahrenes Fachpersonal, ihre Bewertung hängt am subjektiven Urteil des Prüfers, und ihre Ergebnisse fließen nur selten strukturiert in die digitale Prozesskette zurück. Genau dieser Medienbruch ist der blinde Fleck eines etablierten Verfahrens.
Der Ansatz: digitalisieren statt ersetzen
FPAI schafft den Prüfschritt nicht ab, sondern digitalisiert, objektiviert und automatisiert ihn. Der Anspruch ist bewusst praxisnah: Das System soll nicht nur im Labor funktionieren, sondern unter realen Bedingungen auf dem Shopfloor bestehen.
Die drei Bausteine im Zusammenspiel
FPAI verbindet drei Bausteine zu einem durchgängigen Prozess: Ein flexibles Photogrammetrie-Setup digitalisiert die Bauteiloberfläche dreidimensional und verortet jede Anzeige im 3D-CAD-Modell. Darauf erkennen Vision Foundation Models (VFM) Fehlstellen vollautomatisch und trennen echte Anzeigen zuverlässig von Scheinanzeigen. Eine geführte Benutzeroberfläche protokolliert schließlich alle Prüfparameter lückenlos - die Basis für einen auditfähigen Eignungsnachweis nach VDA 5.3.
Normkonformität als Konstruktionsprinzip
In der zerstörungsfreien Prüfung entscheidet nicht allein die Erkennungsleistung, sondern die Nachweisbarkeit. FPAI ist deshalb von Beginn an auf Auditierbarkeit ausgelegt: Die lückenlose Protokollierung der Prüfparameter und die Rückführung der Ergebnisse ins CAD-Modell halten Prüfentscheidungen reproduzierbar und prüffähig. Das ist die Voraussetzung dafür, dass automatisierte Verfahren in regulierten Qualitätsprozessen überhaupt akzeptiert werden.
Öffentliche Förderung und Forschungspartnerschaft
FPAI ist ein öffentlich gefördertes Forschungsprojekt von PIONATIC und dem WZL der RWTH Aachen, gefördert vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWE) im Innovationsprogramm für Geschäftsmodelle und Pionierlösungen (IGP). Diese Konstellation verbindet industrielle KI-Entwicklung mit der wissenschaftlichen Tiefe eines renommierten produktionstechnischen Forschungsinstituts und richtet die Entwicklung konsequent an der industriellen Praxis aus.
Übertragbarkeit und Mitgestaltung
Damit FPAI die industrielle Realität trifft, suchen wir Unternehmen als fachliche Sparringspartner - ohne Kosten oder Verpflichtungen für die Teilnehmenden. Die zugrundeliegende Architektur aus 3D-Digitalisierung, Foundation-Model-gestützter Bildauswertung und auditfähiger Dokumentation ist dabei nicht auf die Farbeindringprüfung beschränkt: Sie lässt sich auf weitere visuelle Prüf- und Qualitätssicherungsaufgaben übertragen - überall dort, wo subjektive Sichtprüfung und Medienbrüche den digitalen Datenfluss unterbrechen.






